Auszeit von der Selbstständigkeit

“Wer schreibt ihnen vor in der Selbstständigkeit zu bleiben? Wer erwartet das von ihnen?“

Diese Aussage hat mich sehr lange beschäftigt. Wird es von dir erwartet? Wem bist du Rechenschaft schuldig?Du darfst auch mal etwas Anderes machen!

So ist aus der WIE-FRAGE, die WARUM-FRAGE geworden.

WIE hatte ich die letzten 14 Jahre schon erfahren. Ich hab mein Unternehmen durch alle Höhen und Tiefen geführt.

Die Beratung, kreative Oberflächen, alternative Materialien und Methoden und gerade der Umgang mit anderen Menschen macht mir dabei am meisten Spaß. Mit den Weiterbildungen und den Spezialisierungen #kreativ #innovativ #ökologisch hatte ich eine Nische gefunden. Ich habe meinen Job geliebt.

“Ich muss das Unternehmen ja nicht komplett schließen… Eine Änderung der Sichtweise wäre möglich?!… Eine Veränderung ist unbedingt nötig!“ 

Erst war es nur ein Aufblitzen, daraus wurde ein Klopfen und dann ein ordentliches Pochen, einer Idee in meinem Kopf.

WARUM SOLLTEST DU IN DER SELBSTSTÄNDIGKEIT BLEIBEN? 

Diese Frage musste ich mir selber beantworten.

Alle sieben Jahre findet eine Veränderung statt. Diese seltsame aber zutreffende Weisheit kann ich bestätigen. Zumindestens was mein Unternehmen betrifft. 2004 die Gründung, 2011 der Crash und 2018 der Wunsch nach Veränderung.

In dieser schnelllebigen Zeit wünsche ich mir etwas Konstantes. Als Selbstständiger weiß man wie wichtig einem  Zeit wird. Die Zeit muss klar eingeteilt sein. Termine müssen eingehalten werden. Zeit für die Liebsten bleibt da sehr oft auf der Strecke. Zeit auch mal für sich selbst bleibt da eigentlich gar nicht.

“Alles was wirklich wichtig ist kannst du für Geld nicht kaufen!”

Ein Bekannter und erfolgreicher Unternehmer sagte vor Jahren zu mir:

“Jens ich würde all mein Geld hergeben um nur mal wieder meinen Sohn in den Arm nehmen zu können.“

Das sagte er mit Tränen in den Augen kurz nachdem er seinen 15 jährigen Sohn, der an Krebs verstorben war, beerdigt hatte.

Wir transformieren uns von Analogistan nach Digitalien und wir kleinen Unternehmer müssen jeden Tag hart arbeiten und rennen, um überhaupt noch mitzuhalten.

Wo alles digitalisiert wird, brauche ich Werte und Tugenden, Wertschätzung und Wertschöpfung. Die Menschlichkeit kommt zu kurz. 

Mir fehlten die Emotionen. 

Mehr und mehr Verordnungen, mehr und mehr Bürokratie, jeder Unternehmer weiß was ich meine. Die viele Arbeit drumherum, die kein Geld einbringt, die ja selbststverständlich ist, aber viel Lebenszeit kostet. Selbst-und-ständig bekommt man dann zu hören.

Und dann war da diese eine Frage! In einem Gespräch mit einem Mitarbeiter der Handwerkskammer Oldenburg in der es eigentlich darum gehen sollte. “Vergrößern wir uns und welche Möglichkeiten, Förderungen etc gibt es für uns?”… War da der eine Funke der sich festbrannte:

“Wer schreibt ihnen vor Selbstständig zu bleiben? Wer erwartet das von ihnen?“ 

Vor Jahren stellte sich schon einmal die Frage und ich hatte eine Chance nicht ergriffen. Geht der Weg für mich in die Bildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen oder bleib ich selbstständig? Es gibt einen großen Unterschied zwischen Selbstständigkeit oder Unternehmer sein. Ich war die letzten Monate nur noch selbstständig. Ein Zahnrad im Unternehmens-Getriebe, was das Unternehmen am Laufen hielt. Keine schöne Erkenntnis, die aber sehr wichtig war. Also Warum dann noch größer wenn man doch nur auf der Stelle tritt!?

Der Rest ist dann schnell erzählt. Bewerbungen geschrieben, zwei Tage später kam der Anruf mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch, dann der Vorschlag die Woche drauf als Honorar-Dozent tätig zu werden und zum 17.09.2018 darauf folgte die Festanstellung beim Bildungswerk der Niedersäsischen Wirtschaft in Papenburg. Mein/ Unser Unternehmen wird es natürlich weiterhin geben (Das Unternehmen ist eingestellt worden. Lesen sie hierzu den Artikel http://malermeister-steenweg.de/nachruf-malerbetrieb-steenweg/ ) . Wer weiß was noch vor uns liegt? Vielleicht ein eigenes Bildungszentrum in Westerstede… oder aber auch… spätestens vielleicht 2025… 😉

Fest steht, vor uns liegt ein neues und interessantes Jahr 2019 mit vielen Seiten des Lebens, die gefüllt werden wollen. Höhepunkte und Emotionen, Tränen der Freude und der Trauer, Erfolge und Niederlagen, Festhalten und Loslassen, Erkenntnisse und Erfahrungen, lasst den Gedanken freien Lauf und probiert alles einmal aus.

Das Leben ist schön, genießt es!

Frohes neues,

euer Malermeister mit Bock auf Blog

Jens Steenweg

P. S. Zu meinem Blog gab es ein Interview für die Zeitung “Norddeutsches Handwerk”. Den Artikel findet ihr u.a. auf der Seite handwerk.com. und unter dem Link https://www.handwerk.com/schluss-mit-dem-druck-meister-nimmt-auszeit

8 Gedanken zu “Auszeit von der Selbstständigkeit”

  1. Super Sichtweisenubd Mut zur Veränderung. Ich wünsche Dir auf diesem Weg alles erdenklich Gute und hoffe Du bleibst und auf dem Social Media Weg noch erhalten und lässt uns an der weiteren Entwicklung teilhaben.

    • Hallo Sascha,
      das der Weg eines Menschen nicht linear verläuft ist ja geläufig. Der Mut zur Veränderung stellt einen selber oft auch vor neue Herausforderungen.
      Natürlich bleibe ich Sozial Media (und meinem Unternehmen) treu. Dafür macht mir der Austausch viel zu viel Spaß.
      Wer weiß was noch geht…?…evtl. später ein eigens Bildungswerk in Westerstede, ein Kompetenz-Zentrum im Ammerland,…eine Idee dafür habe ich schon ein paar Jahre im Kopf…

  2. Fein geschrieben, tolle Erkenntnisse und den Mut zu handeln. Hat mir sehr gut gefallen. Herzlichen Glückwunsch und vor allem alles erdenklich Gute im neuen Job. Muss ja nicht für ewig sein. Gruß Peter Stopper

    • Moin Peter, danke für’s Feedback. Es wäre schön wenn man ein wenig in die Zukunft schauen könnte um zu wissen was noch kommt. Fest steht schon jetzt, es war eine richtige Entscheidung. Farbigen Gruß aus dem Ammerland

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